V-Partei³ sieht Antisemiten als Opfer von Hetzkampagnen?

Die anhaltenden Vorwürfe gegenüber der V-Partei³, sie sei „rechtsoffen“, „esoterisch“ und „verschwörungstheoretisch“ begegnete der Vorstand der Partei jetzt mit einem „Positionspapier des Bundesvorstands zur politischen Haltung der V-Partei³“, welches auf der Internetseite der Partei veröffentlicht wurde.

In dem Text erklärt der Vorstand der V-Partei³:

„Da die Ziele der V-Partei³ sehr emotional sind und neben Tierrechten und Menschenrechten auch eine altruistische Gesellschaft und ein friedliches soziales Miteinander gefordert wird, wurden bereits kurz nach der Gründung Gruppen aktiv, die seitdem versuchen, sowohl dem veganen Gedanken, als auch der V-Partei³ selbst massiv zu schaden.

Vorreiter dieser Diffamierungskampagne war eine anonyme Plattform, die bereits bei sehr vielen Organisationen und Aktivisten, die sich für Tierrechte und Veganismus einsetzen, versucht hat, diese als „rechtsoffen“ und „Querfrontler“ zu denunzieren. Dabei wurden unter anderem VEBU, Veganes Zeitalter, Renato Pichler, der VgT, Marsili Cronberg, Patrik Baboumian und viele mehr Opfer der Hetzkampagnen.“ […]“Unsere politischen Inhalte und das Parteiprogramm zeigen deutlich, wie weit die V-Partei³ von rechten Ideologien entfernt ist. Deshalb ist es für uns völlig unverständlich, dass immer wieder auf Parteimitglieder, Pressevertreter und Organisatoren veganer Veranstaltungen Druck aufgebaut wird.“

V-Partei³ Watch hat sich angesehen, wen die V-Partei³ in dieser Stellungnahme als „Opfer der Hetzkampagnen“ versteht. Eine Gemeinsamkeit der genannten Personen und Organisationen ist, dass sie auf der Seite indyvegan.org öffentlich kritisiert wurden, wie auch die V-Partei³. Ebenso wie Renato Pichler, Vorsitzender von Swissveg, ist der VgT, Verein gegen Tierfabriken, in der Schweiz beheimatet. Über den VgT wurde diskutiert, weil auf der Internetseite des Vereins antisemitische Texte verbreitet werden. Der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Erwin Kessler, wurde 2007 wegen Volksverhetzung verurteilt. Antisemitische Texte verbreitet der Verein weiterhin. An Kessler wurde ebenfalls kritisiert, dass er auf der Internetseite des Vereins Leseempfehlungen für rechtsradikale Medien abgab und sich für einen Holocaustleugner einsetzte. Auch fremdenfeindliche Aussagen verbreitet der VgT auf seiner Internetseite. Die Seite „Indyvegan“ hat den Sachverhalt umfangreich recherchiert.

Auf der Internetseite des VgT stehen Aussagen Kesslers wie:

„Die Ironie des Schicksals will es, dass ich nun ausgerechnet von gewissen jüdischen Kreisen, die große Teile der Medien kontrollieren und auch sonst unsichtbare Macht ausüben, »gekreuzigt« werde, weil ich ihnen – wie damals Jesus – ihre moralischen Verirrungen vorhalte.“ Quelle

Oder:

„Juden erhalten immer Recht. Mit dem Zauberwort „Antisemit!“ verschaffen sich gewisse jüdische Kreise Sonderrechte, der in der Schweiz zu einem vorher nicht existierenden, aber dennoch immer lautstark beklagten verbreiteten Antisemitismus geführt hat. Antisemtismus kann nicht dadurch bekämpft werden, dass sich Regierung, Gerichte und Universitäten von jüdischen Kreisen erpressen und manipulieren lassen und Tierschützer ins Gefängnis geworfen werden“ Quelle

Nach einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts aus dem Jahr 2002 ist es erlaubt, Kessler „Kontakte zur Neonazi- und Revisionistenszene“ vorzuwerfen.

Der von der V-Partei³ als „Opfer“ bezeichnete Renato Pichler wurde in öffentlichen Diskussionen dafür kritisiert, dass er den VgT auf der Veranstaltung „Veganmania 2015“ in Winterthur als Aussteller auftreten ließ und trotz der Hinweise auf die antisemitischen Texte auf der Internetseite des VgT nicht davon abrückte. Renato Pichler erntete auch für seine publizistische Zusammenarbeit mit dem rechten Esoteriker Rüdiger Dahlke Kritik. Wegen der Verbreitung von Inhalten auf der Internetseite des VgT, welche die Existenz des HI-Virus leugnen, gab es ebenfalls Diskussionen. Auch zu diesem Thema hat die Seite Indyvegan eine Recherche veröffentlicht.

Der vegane Kraftsportler Patrik Baboumian, den die V-Partei³ ebenfalls als „Opfer der Hetzkampagnen“ bezeichnet, sah sich Kritik ausgesetzt, da er sich über einen längeren Zeitraum für Aktivisten der sogenannten „Mahnwachenbewegung“, einer rechten „Friedensewegung“, einsetzte und deren antisemitische Protagonisten, wie Ken Jebsen, verteidigte. Nach heftigen öffentlichen Diskussionen distanzierte sich Baboumian von der Mahnwachenbewegung und räumte Fehler in der Einschätzung dieser Bewegung und ihrer Protagonisten ein. Auch dazu gibt es einen Artikel von Indyvegan.

Der vegane Autor und Aktivist Marsili Cronberg war sehr viel aktiver in die rechte Mahnwachenbewegung eingebunden und erfuhr daher Kritik. In dieser Zeit vertrat Cronberg verschwörungstheoretische Meinungen und zeigte sich mit Antisemiten solidarisch. Cronberg ist aus der Bewegung ausgetreten, nachdem diese gescheitert war. Wie Indyvegan berichtete, sagte Cronberg im letzten Jahr über den VgT:

„Im Übrigen ist es eine Frechheit von Indyvegan, derart über eine ausländische Initiative herzuziehen“

Das von der V-Partei³ genannte Vegane Zeitalter ist eine Serie von Facebookgruppen, die unter anderem von Indyvegan dafür kritisiert wurden, dass darin verschwörungstheoretische Inhalte aus dem rechten Spektrum verbreitet werden. Einer der Administratoren dieser Gruppen, Gérald Hägele, vertritt rechtsradikale Ansichten und hängt der Reichsbürgerbewegung an. Indyvegan berichtete, Konkret ebenfalls.

Den Vegetarierbund – VEBU (neu: proveg international) kritisierte Indyvegan beispielsweise dafür, dass die Organisation den rechten, italienischen Politiker Silvio Berlusconi zu dessen Entscheidung beglückwünschte, Vegetarier geworden zu sein. Der Vorsitzende des VEBU, Sebastian Joy wurde von indyvegan.org dafür kritisiert, dass er durch Holocaustüberlebende getätigte Holocaustvergleiche im Zusammenhang mit der Tierindustrie als Option für vegane Kampagnen in Erwägung gezogen hatte.

Die Methodik, mit der diese Personen und Organisationen laut der V-Partei³ zu „Opfern von Hetzkampagnen“ geworden sein sollen, beschreibt die Partei in ihrem Positionspapier so:

„Es wird aus den Netzwerken sozialer Medien ein Zusammenhang zwischen verschiedenen Personen konstruiert, man setzt dadurch gleiche Interessen voraus und baut sich eine eigene Beweiskette zusammen, deren Grundlage die eigenen Behauptungen sind, entlastende Tatsachen werden weggelassen. Diese Behauptungen wirken auf den ersten Blick gut recherchiert, bleiben jedoch bei genauerer Betrachtung inhaltlos, da Gegenbeweise ignoriert werden. Dass das Impressum anonym ist, erschwert den Betroffenen, gegen diese Verleumdungen vorzugehen, es wurden jedoch juristische Schritte eingeleitet.“

Das Ende der Stellungnahme bildet ein Artikel des Veganmagazins mit dem Titel „Hetzplattform Indyvegan“, in dem die Theorie aufgestellt wird, dass es sich bei indyvegan.org um eine, von der Politikerin Jutta Ditfurth gesteuerte antivegane Seite handle, welche der veganen Bewegung schaden wolle. Das Veganmagazin wurde ebenfalls von indyvegan.org kritisiert. Dabei ging es um sexistische Bilder, um Schleichwerbung und um die Zusammenarbeit des Magazins mit dem rechten Esoteriker Rüdiger Dahlke. Herausgeber Christian Vagedes, der neben dem Veganmagazin auch für die Organisation „Vegane Gesellschaft Deutschland e.V.“ als Vorstand verantwortlich ist, stand auch wegen dubioser Geschäftspraktiken und der Ausnutzung seines Vereins für die Bewerbung seiner eigenen Unternehmen in der Kritik.

Zwischenzeitlich veröffentlichte der Bundesvorstand der V-Partei³ auf der Website der Partei das Foto eines Aktivisten zusammen mit dessen vollem Namen und Wohnort. Untertitelt hatte der Bundesvorstand der V-Partei³ das Foto wie folgt:

„Diese Person steckt hinter der Internethetze: ######## ######### aus Berlin“

V-Partei³ Pranger Positionspapier

Das Foto ist mittlerweile nicht mehr auf der Seite der V-Partei zu sehen.

Unterschrieben ist dieses Positionspapier vom gesamten Bundesvorstand der V-Partei³:

Roland Wegner – Bundesvorsitzender
Heike Rudolf – Stv. Bundesvorsitzende
Michael Thomas Kneifel – Stv. Bundesvorsitzender
Henrik Lange – Stv. Bundesvorsitzender
Konrad Harle – Bundegeschäftsführer
Heiko Kremer-Bläser – Bundesgeneralsekretär
Matthias Frederking – Bundesschatzmeister
Markus Krätschmer – Stv. Bundesschatzmeister
Saskia Wille – Bundespressesprecherin
Nadeshda Stankova – Stv. Bundespressesprecherin
Joachim von Harlessem – Bundeskassenprüfer
Birgit Jung – Stv. Bundeskassenprüferin
Julia Elsner – Bundesschriftführerin
Tobias Lenz – Stv. Bundesschriftführer
Cheyenne Hanson – Beisitzerin des Bundesvorstands, Jugendpolitische Sprecherin
Tanja Gruber – Beisitzerin des Bundesvorstands
Simone Mach – Beisitzerin des Bundesvorstands
Lisa Walther – Beisitzerin des Bundesvorstands
Christine Rustler – Beisitzerin des Bundesvorstands
Dr. Angela Küstner – Beisitzerin des Bundesvorstands
Ingo Eichel – Beisitzer des Bundesvorstands

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